Sarstedt wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten

[12.10.1996] Katastrophenjahr 1947: Schneemassen, Dürre, Hochwasser

S a r s t e d t. (r) Zusätzlich zu den Problemen der Nachkriegszeit machten extreme Wetterverhältnisse 1947 für Sarstedts Bürger zu einem “Katastrophenjahr”. Brennstoff- und Lebensmitteldiebstähle waren an der Tagesordnung, ist in der Polizei-Chronik nachzulesen.

In der Sarstedter Post waren noch mehrere Männer vom Objektschutz stationiert. Der Objektschutz war bewaffnet und bewachte die lebensnotwendigen Betriebe.

Der Straßenverkehr war minimal. Auf den Straßen fuhren Pferdegespanne und Radfahrer. Deutsche Kraftfahrzeuge passierten Sarstedt nur vereinzelt. Diese waren mit einem großen “F”-Schild versehen (eine Art Zulassung). Die Polizei führte die dienstlichen Fahrten nach Hildesheim mit der Straßenbahn durch, die ausnahmslos überfüllt war. Auf Feldern konnte konnte man Ochsengespanne sehen.

Den englischen Soldaten war es verboten, sich mit der Bevelkerung zu fraternisieren. Die englische MP ging sehr rigoros gegen sich vorbeibenehmende Soldaten vor.

Die wenigen Gastwirtschaften (Ratskeller, Rosin, Wullekopf) waren überfüllt, hauptsächlich wegen der einfachen Mittagstische auf Marken. Sonst gab es dort nur rote Süßgetränke zum Verzehr.

Am 10. Dezember 1946 wurde das “Sonderkommando Hoyershausen” unter Hauptmann Eitzinger aufgestellt.

Die Polizeianwärter (auch aus Sarstedt) wurden zu diesem Kommando oder zu Kommandos an der Grenze zur sowjetischen Besatzungszone versetzt.

Das Sonderkommando Hoyershausen schützte die Bevölkerung auf dem flachen Land durch Bekämpfung der polnischen Banden.

In den Monaten Januar-Februar-März des Jahres 1947 herrschte strenge Kälte bis unter minus 20 Grad. Alle Gewässer waren monatelang zugefroren. Es fiel so reichlich Schnee, daß die Straßenbahn Hannover - Hildesheim über vier Wochen wegen Verwehungen nicht verkehren konnte.

Der Schnee lag stellenweise bis zu zwei Meter hoch auf dem Bahnkerper. Die gesamte Industrie und auch die hiesigen Schulen mußten mehrere Wochen wegen der strengen Kälte und wegen Kohlenmangel die Betriebe schließen beziehungsweise den Unterricht ausfallen lassen.

Die Not führte zu vielen Kohlen- und Holzdiebstählen. Die Polizei hatte Dauereinsatz.

Der Rat nahm am 11. Mai 1947 eine Stadtbesichtigung vor. An die Bürgerschaft wurde ein Appell gerichtet, die Stadt sauber zu halten und für die Schuttbeseitigung nur die dazu vorgesehenen Plätze zu benutzen.

Der Selbstschutz sollte unterstützt werden, um den vielen Feld- und Kleintierdiehstählen entgegentreten zu können.

1947 war der trockenste Sommer seit Zeiten. Monatlang fiel kein Regen und bis spät in den Herbst hielten die Trockenheit und die große Hitze an. Das städtische Leitungswasser mußte bis Weihnachten 1947 rationiert werden und war ungekocht ohne Gefahr nicht genießbar.

Erst kurz vor Weihnachten setzten ergiebige Regenfälle ein, die zur Folge hatten, daß Leine und Innerste zwischen Weihnachten und Neujahr Hochwasser führten.

An dieser Stelle endet die Artikelserie.

Zurück: Nach Kriegsende blühte der Schwarzhandel