Mit Bandmaß auf Jagd nach Verkehrssündern

[08.06.1996] Die Chronik der Sarstedter Polizei: Um 1900 herrschte auf den Straßen Ordnung

Sarstedt. (r) Auf deutschen Straßen muß Ordnung herrschen: Das war bereits im vergangenen Jahrhundert so, wie der heutige Auszug aus der Chronik der Sarstedter Polizei zeigt. Wer gegen die Chausseepolizeiverordnungen verstieß, wurde von Ratswachtmeisters Krome unerbittlich zur Kasse gebeten.

Der Ordnungshüter, zu dessen Ausrüstung ein selbstgebasteltes drei Meter langes Bandmaß gehörte, hatte einige Bestimmungen in seinem persönlichen Notizbuch vermerkt: “Die Köpfe der Radnägel an den Fuhrwerken dürfen nicht hervorstehen. Der Beschlag muß eine gerade Fläche bilden und soll an Last- und Frachtfuhrwerken eine Breite von mindestens fünf Zentimeter (cm) haben. Ausgenommen sind die Fuhrwerke, deren Gesamtgewicht einschließlich Ladung nicht mehr als 1000 Kilogramm (kg) beträgt.

Die Ladung darf nicht über neun Fuß (2,83 Meter) breit sein. Das Spurfahren ist verboten (1,50 Mark). Das zulässige Ladungsgewicht beträgt einer Radfelgenbreite von fünf bis sechseinhalb Zentimeter 2000 kg, sechseinhalb bis zehn Zentimeter 2500 kg, zehn bis 15 Zentimeter 5000 kg, 15 und drüber 7500 kg.

Ladungen über 7500 kg dürfen nur geteilt und mit Genehmigung der Straßenverwaltung befördert werden. Die Führer der die Kunststraßen befahrenden Last- und Frachtfuhrwerke sind verpflichtet, den Gendarmen auf Erfordern das Gewicht der Ladung anzugeben und glaubhaft nachzuweisen.

Normen für Hufeisen

Können oder wollen sie diesen Nachweis nicht führen, so sind sie verpflichtet, in Begleitung des Beamteten ihr Fuhrwerk bis zum nächsten in der Richtung ihrer Reise liegenden Ort zu fahren, wo die notwendige Ermittlung vorgenommen werden kann.

Die Stollen der Hufeisen der Zugtiere dürfen nicht länger als zweidrittel Zoll (17 mm) sein. In der Zeit vom 1. November bis 1. April dürfen sie ein Zoll (26 mm) lang sein. Der Führer eines Fuhrwerks darf sich von demselben, wenn er anhält, nicht über fünf Schritte entfernen, ohne die Pferde abzusträngen.”

Zuwiderhandlungen wurden mit einer Mark Strafe geahndet. Hier kassierte Wachtmeister Krome oft vor der Gaststätte “Zum Zoll’n”, wenn die Fuhrknechte schnell im Vorbeifahren einen Branntwein zu sich nahmen und die Pferde nicht abgesträngt hatten.

Als im Jahre 1893 Metallarbeiter der Vosswerke eine organisierte Versammlung abgehalten hatten, wurden alle Versammlungsteilnehmer von Voss fristlos entlassen.

Die Arbeitgeber stellten schwarze Listen auf und wer von den Arbeitern erst einmal darin verzeichnet war, hatte keine Aussicht, wieder Beschäftigung zu finden. Bei der eingeschüchterten Einwohnerschaft war eine öffentliche Werbung für die Gewerkschaft fast unmöglich, obwohl damals schon eine sozialdemokratische Mehrheit in Sarstedt bestand.

1895 wurde das Gehalt des Ratswachtmeisters Krome auf 300 Mark jährlich erhöht.

Die Straßenbeleuchtung bestand 1895 aus 13 eisernen Laternenpfählen und zwölf eisernen Laternenarmen, in denen Petroleumleuchten brannten, die von den Nachtwächtern angezündet und gelöscht werden mußten. In einer Nacht hatten betrunkene Witzbolde sämtliche abnehmbaren Lampen entfernt und dem Polizeiwachtmeister Krome vor das Haus gestellt.

Am 21. August 1896 trat die Straßenbahn Hannover zum ersten Mal an die Stadt Sarstedt mit dem Projekt einer elektrischen Straßenbahn von Hannover nach Hildesheim heran. Es wurde ein Vertragsentwurf überreicht.

Der Landrat erließ am 14. September 1896 eine Polizei-Verordnung über die Umzugstermine bei Wohnungswechseln im Bereich der Stadt Sarstedt.

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