Feuer, Seuchen und technische Neuerungen

[24.08.1996] 1937 brauste die erste Straßen-Schnellbahn von Hannover nach Hildesheim

Sarstedt. (r)Bis zum finsteren Tag, an dem der Zweite Weltkrieg ausbrach, führt die heutige Folge mit Auszügen aus der Sarstedter Polizei-Chronik zurück. Kurz zuvor hatte ein Brand die Ofenfabrik der Voss-Werke in Schutt und Asche gelegt.

Auf dem Gelände der in Abbruch befindlichen Sarstedter Zuckerfabrik, wurden Skelettfunde gemacht. Es handelte sich um Soldatengräber aus dem 30jährigen Krieg. Das Provinzial-Museum in Hannover ließ unter Leitung von Dr. Schroller Grabungen vornehmen, wobei ein alter Brunnen freigelegt und eine Silbermünze aus der Zeit von 1320 bis 1323 gefunden wurde. Ferner wurden geborgen: Knochen von Pferden, Rindern und Schweinen, eine Hirschstange und ein Spinnenwirbel.

Die Stadtgemeinde Sarstedt gab eine neue Hauptsatzung, die am 14. Januar 1936 in Kraft trat. Danach wurde der Bürgermeister hauptamtlich eingestellt. Ihm zur Seite standen zwei ehrenamtliche Stadträte und neun Ratsherren.

Ab 1. Mai 1936 erhielt jedes junge Ehepaar bei der Trauung vom Standesbeamten Adolf Hitlers Buch “Mein Kampf” und ein Zeitungsabonnement für einen Monat gratis.

Ab 18. Mai 1937 wurde ein Straßenbahnschnellverkehr von Hannover über Sarstedt nach Hildesheim eingerichtet. Der Eilzug brauchte 59 Minuten Fahrzeit für die 30 Kilometer lange Strecke.

Im Dezember 1937 wurden zu Versuchszwecken vier elektrische Bogenlampen mit Natriumdampflicht für die Straßenbeleuchtung in Betrieb genommen.

Am 26. Februar 1938 wurde die Germania-Ofenfabrik der hiesigen Vosswerke durch Großfeuer vernichtet. Der Sachschaden belief sich auf über 300 000 Reichsmark. Alle Sarstedter Polizeibeamten waren im Einsatz.

In Sarstedt brach im März 1938 die Maul- und Klauenseuche unter den Rindviehbeständen aus, die von Frankreich eingeschleppt war und sich über ganz Deutschland verbreitete.

Am 22. Juni 1938 passierten die internationalen Radrennfahrer auf ihrer Deutschlandfahrt den Kipphut.

Am 17. August 1938 trat in der Innerste ein Fischsterben auf, wobei viele tausend Fische verendeten. Die Polizei versuchte mehrere Tage, den Verursacher zu erwischen.

Am 9. August 1938 wurde durch einen furchtbaren Unfall die Witwe E. Weber lebendig verbrannt.

In das von der Stadt Sarstedt angelegte goldene Buch trug sich 1938 als erster der Gauleiter-Stellvertreter Schmalz ein.

Der italienische Minister Roberto Farinacci stattete am 14. September 1938 seinen Landsleuten in Ruthe und Ahrbergen einen Besuch ab. Der Minister durchfuhr mit seinem Kraftwagen unsere Stadt.

Am Kipphut begannen 1939 die Arbeiten zur Beseitigung der Kurven und zur Begradigung der Reichsstraße 6 über den Kipphut.

Der von Sarstedt entlang der Straßenbahn führende Gemeindeweg nach Heisede wurde landstraßenmäßig ausgebaut und mit einer fünf Meter breiten Betondecke versehen. Die Kosten beliefen sich auf rund 125 000 Reichsmark.

Am 27. August 1939 wurden das Markensystem und die Bezugsscheinpflicht eingeführt. In Sarstedt wurde die Verteilung der ersten Lebensmittelkarten von 100 Amtsverwaltern der DAF vorgenommen.

Das Abhören ausländischer Sender wurde verboten. Am 1. September 1939, 5.45 Uhr morgens, begann der zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen.

Die Sarstedter Wehrpflichtigen erhielten Einberufungsorder. Der Ausbruch des Krieges ließ keine vaterländische Begeisterung aufkommen, sondern man sah überall nur tiefernste Gesichter. In Sarstedt wurde eine Bäckereikompanie aufgestellt und verladen.

Ab 1. September 1939 wurde die völlige Verdunkelung eingeführt.

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