Hochwasser richten verheerende Schäden an

[27.07.1996] Die Chronik der Polizei im Sarstedter Anzeiger: Heute die Jahre 1926 und 1927

S a r s t e d t . (r) Drei Hochwasser in zwölf Monaten, zwei Scheunenbrände und ein heftiger Streit über das angemessene Gehalt des Bürgermeisters: 1926 und 1927 überschlugen sich in Sarstedt die Ereignisse. Die Chronik der Polizei schildert das Geschehen:

Im Februar 1926 wurden in Sarstedt zahlreiche Einbruchsdiebstähle ausgeführt. Die Täter wurden ermittelt.

Am 19. März 1926 brannte die Flußbadeanstalt an der Innerste ab. Unter anderem wurden die Umkleidekabinen und neun Ruderboote ein Raub der Flammen.

Ein Gastspiel des Hildesheimer Stadttheaters, das mit großer Reklame für den 3. Juli 1926 in Sarstedt angekündigt war und bei dem 19 Schauspieler mitwirken sollten, konnte nicht stattfinden, weil sich dazu nur fünf Besucher eingefunden hatten.

Infolge anhaltender Niederschläge führte die Innerste Anfang Juli 1926 Hochwasser. Das Getreide stand bis an die Ähren im Wasser. Die Schäden waren beträchtlich. Der 21jährige Dreher Karl Bormann ertrank in den hochgehenden Fluten.

In den ersten Novembertagen wurde einer Sarstedt zum dritten Mal im Jahre 1926 von einer Hochwasser-Katastrophe größten Ausmaßes heimgesucht. Die Feuerwehr mußte alarmiert werden, um Menschen und Vieh vor dem Ertrinken zu retten.

Ein in Sarstedt gastierenden Zirkus wurde überflutet; das große Zelt stürzte in die Wassermassen. Abermals wurde auf Veranlassung von Theodor Klöpper im preußischen Landtag eine Interpellation eingebracht, den Sarstedter Hochwasser-Geschädigten zu helfen.

Die Hochwässer des Jahres 1926 haben in Sarstedt folgende Schäden verursacht: Flurschäden: 65 159 Mark; Häuserschäden: 5725 Mark; sonstige Schäden (Vieh usw.): 2200 Mark, die Schäden an Lagervorräten sind nicht ermittelt worden.

130 Häuser und 26 Scheunen sowie viele Morgen Gärten, Ackerland und Wiese hatten unter Hochwasser gelitten.

Am 9. Februar 1927 war eine stürmische Sitzung der Städtischen Kollegien. Die Gegensätze zwischen links und rechts hatten sich außerordentlich zugespitzt. Anlaß des Streits war das Gehalt des sozialdemokratischen Bürgermeisters. Die Linksparteien setzten sich schließlich aufgrund ihrer Mehrheit durch.

Wenige Tage danach ging die Hinze’sche Scheune gegenüber dem “Mühlenkrug” in Flammen auf und wurde vollkommen vernichtet. Am 2. März 1927 brannte dann die Beckmann’sche Scheune an der Ruther Scheune ab.

In beiden Fällen vermutete man Brandstiftung. Trotz intensiver Ermittlungen konnte die Polizei die Täter aber nicht dingfest machen.

In Hildesheim wurde das neue Kreishaus eingeweiht. Die Stadt Sarstedt stiftete aus diesem Anlaß einen Kronleuchter. Damit wurde die Hoffnung, daß Sarstedt einmal Sitz des Landratsamts werden könnte, endgültig begraben.

Am 23. Mai 1927 genehmigten die städtischen Kollegien in einer dramatischen Sitzung den Bau von vier Benzinzapfstellen.

Das Leben ging weiter und im Juni 1927 gab der Bürgermeister Budschigk zum ersten Male in der Stadtgeschichte einen ausführlichen Verwaltungsbericht heraus, der in der “Sarstedter Zeitung” veröffentlicht wurde.

Die städtischen Kollegien beschlossen die Errichtung eines Obdachlosen-Asyls als Anbau an das Armenhaus in der Wiesenstraße. Die Kosten beliefen sich auf 12 000 Mark.

Für die Beamten gab es im ganzen Reich eine Gehaltserhöhung. Den Magistratsbeamten und -angestellten wurden ihre geleisteten Überstunden vergütet.

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