Nicht nur Uniformen waren Mangelware

[28.09.1996] Sarstedter Polizei mußte in Nachkriegszeit einiges entbehren/Waffenbesitz war verboten

S a r s t e d t . (r) Die heutige Folge der Polizeichronik beschreibt Arbeit und Lebensumstände der Polizeibeamten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Zwei Karabiner , zwei Fahrräder und einige Holzknüppel waren damals die Ausrüstung der hiesigen Stadtion. Auf unerlaubten Waffenbesitz stand die Todesstrafe. Statt Uniform gab es eine Armbinde mit Stempel.

Die Mitglieder des Sarstedter Rates beschäftigten sich am 21. Februar 1946 mit dem ständigen Ansteigen von Diebstählen und anderen Vergehen in der Stadt. Sie waren sich einig, daß die Polizei verstärkt während der Nachtstunden eingesetzt werden sollte.

Bis Kriegsende war die Polizei noch eine kommunale Angelegenheit gewesen, die dem Sarstedter Bürgermeister unterstand. 1946 wurde den Orten diese Zuständigkeit entzogen. Später wurde sie Sache der Bundesländer.

In Sarstedt erhöhte sich mit dieser Umgliederung auch die Zahl der Beamten: 1946 gab es in der Stadt zehn Ordnungshüter.

Untergebracht war die Polizeiabteilung in der sogenannten Eremitage in der Steinstraße. Das alte, stabile, zweistöckige Gebäude hatte vier Räume, die nicht gerade zweckmäßig eingerichtet waren.

Einziger Luxus war damals ein Radiogerät. Mit dem Kriegsmodell konnten die Beamten moderne englische Musik und die Nachrichten des Senders BBC empfangen.

Abteilungskommandant war in diesen Jahren Bezirks-Oberleutnant Schmidt. Ihm unterstanden insgesamt fünf Polizeistationen: in Gleidingen, Wehmingen, Algermissen, Barnten und in Sarstedt.

In Sarstedt bildete er zwei Dienstschichten, die im Wechsel 24stündigen Dienst leisteten. Der Sarstedter Abteilung standen zwei Dienstfahrräder zur Verfügung. Außerdem hatte jeder Beamte einen Holzknüppel.

Auf der Wache gab es auch zwei Karabiner. Wenn die Beamten auf Streife durch die Stadt gingen, nahmen sie die Waffen mit. In der übrigen Zeit wurden diese in einem Verschlag hinter dem Sitz des Wachhabenden mit einer dicken Kette angeschlossen.

Einige Polizisten hatten jedoch zusätzlich zur Selbstverteidigung eine Pistole in der Hosentasche. Das war in der Nachkriegszeit nicht ungefährlich. Auf unbefugten Waffenbesitz stand die Todesstrafe. So mußten die Sarstedter Beamten aufpassen, daß die Besatzer ihre Pistolen nicht entdeckten.

Uniformen waren in diesen Tagen Mangelware. Die Beamten mußten in den Wochen nach dem Krieg in Zivil oder in alten Wehrmachtsuniformen ihren Dienst versehen. Eine weiße Armbinde mit Stempel und der Aufschrift “MG Police” wies sie damals als Polizisten aus. Dazu trugen die Ordnungshüter eine grüne Mütze mit schwarz-weißer Kokarde.

Erst nach und nach bekamen die Beamten eine grüne Polizeiuniform mit braunem Koppel. Dazu gehörten auch Stiefelhosen mit Ledergamaschen. Letztere wurden später auch “Peitschengamaschen” genannt. Die Bezeichnung entstand, weil sie sich durch eine Stahlvorrichtung schnell schließen liessen.

Untergebracht waren die Polizisten in dieser Zeit bei Privatpersonen. Angebote gab es genug: Viele Sarstedter waren froh, einen einquartierten Beamten im Haus zu haben, der nebenbei kostenlos das Eigentum schützte.

Auch Bürgermeister Kerkmann, der nun ja nicht mehr Chef der Polizei war, nahm die Beamten wohlwollend auf.

Diese erhielten zur Verpflegung Lebensmittelkarten für Schwerarbeiter. Gelegentlich bekamen sie auch zusätzliche Bezugsscheine, zum Beispiel für einen Fahrradschlauch.

Das Gehalt der Polizisten war damals eher spartanisch. Der Anwärter erhielt monatlich 95 Reichsmark, elf Reichsmark Wohnungsgeldzuschlag, außerdem einen Unterschiedbetrag und eine monatliche Pauschalvergütung. Insgesamt kamen sie auf 185 Reichsmark. Das entsprach damals einem Schwarzmarktwert von knapp zwei Päckchen Zigaretten. “Man mußte schon ein Idealist sein”, kommentiert der Verfasser der Polizeichronik.

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