Politische Versammlungen für Frauen verboten

[25.05.1996] Teil acht der Sarstedter Polizei-Chronik: Erster Polizeibeamter und erste eigene Zeitung

S a r s t e d t. (r) Mit den Jahren von 1885 bis 1890 setzt der “Sarstedter Anzeiger” seine Serie mit Auszügen aus der örtlichen Polizei-Chronik fort. Damals hatte die Stadt 2455 Einwohner - und 272 Häuser.

Am 10. Februar 1885 wurden 44 Einwohner aus Sarstedt vom Landgericht Hildesheim wegen Lotterie-Vergehens zu je drei Mark Geldstrafe beziehungsweise einen Tag Gefängnis verurteilt. Sie hatten Lose von einer Lotterie gekauft, die in Preußen nicht zugelassen beziehungsweise verboten war.

Am 10. September 1885 wurden neun Einwohner aus Sarstedt vom Amtsgericht Hildesheim wegen Forstdiebstahls zu je sechs Mark Geldstrafe beziehungsweise zwei Tagen Gefängnis verurteilt.

Nach der Volkszählung am 1. Dezember 1885 hatte Sarstedt 2455 Einwohner, davon 1302 männlich und 1153 weiblich. Es waren 495 Haushaltungen und 272 Häuser vorhanden.

Auch in Sarstedt wurde nach und nach das Polizeistrafrecht vom 23. April 1883 eingeführt. So heißt es dort unter anderem: “Die Ortspolizeibehörden dürfen - ausnahmsweise der Landrat oder der Regierungspräsident - wegen verübter im Reichsstrafgesetzbuch oder in anderen Gesetzen und in Polizeiverordnungen bezeichneten Übertretungen mit Geldstrafen bis zu 30 Mark oder Haft bis zu drei Tagen sowie Einziehung konfiszierter Gegenstände vorgehen.

Das Polizeistrafrecht erstreckt sich auch auf Beschuldigte im Alter von zwölf bis 18 Jahren. Die Rechtskraft einer polizeilichen Strafverfügung tritt nach Ablauf einer Woche nach der Zustellung ein. Bis dahin steht dem Beschuldigten der Antrag auf gerichtliche Entscheidung in Gemäßheit der Strafprozeßordnung zu.”

Majestätsbeleidigung wurde früher streng bestraft. So wurde am 8. Januar 1886 der Schlosser Theodor Fuhse aus Sarstedt wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Der von den städtischen Kollegien als Ratsdiener der Stadt Sarstedt am 19. Oktober 1886 gewählte Weber Heinrich Bartels wurde am 27. Oktober 1886 vom Landrat durch Ablegung des vorgeschriebenen Eides verpflichtet. Er erhielt ein Gehalt von jährlich 385 Mark und freie Benutzung eines städtischen Gartens.

Frauen durften an politischen Versammlungen nicht teilnehmen. Jede Versammlung wurde polizeilich überwacht und sofort geschlossen, wenn man gegen die bestehenden strengen Bestimmungen verstieß.

Am 4. Februar 1888 wurden vom Amtsgericht Hildesheim vier Sarstedter Kaufleute zu Geldstrafen verurteilt, weil sie unbefugten Kleinhandel mit Branntwein betrieben hatten. Ein fünfter Kaufmann erhielt Strafe wegen befugter Schankwirtschaft. Am 13. Oktober 1888 erschien die erste Nummer der “Sarstedter Zeitung”, die von Druckereibesitzer C. H . W . Meyer gründet und herausgegeben wurde.

In der Sitzung der städtischen Kollegien vom 25. Februar 1890 wurde die Anstellung des ersten städtischen Polizeibeamten beschlossen. Die Wahl fiel auf den Verpflegungsstationsvorsteher Hermann Krome.

Als einziges Uniformstück erhielt er eine Dienstmütze, die er selbst bezahlen mußte. Er führte die Dienstbezeichnung “Hilfspolizeidiener”. Als Gehalt erhielt er anfänglich jährlich 200 Mark. Hermann Krome arbeitete sich schnell in sein neues Amt ein und war bald aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Er konnte besonders gut mit den Frauensleuten umgehen. Zu der Zeit machten besonders fünf Sarstedter Frauen, sogenannte Originale, von sich reden. Das war die Dreschmaschinen-Garde, die seinerzeit den Bauern von Sarstedt und Umgebung in Walterings Mühle beim Dreschen half. Baxmanns Dreschmaschine war zur Erntezeit täglich in Betrieb.

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