Preußen übernimmt 1866 die Regierungsgewalt

[04.05.1996] Die Chronik der Sarstedter Polizei - Teil fünf aus den Jahren 1860 bis 1867.

S a r s t e d t . (r) Von zu kleinen Broten bis zur Schlichtung karnevalistischer Ausschreitungen reicht die Bandbreite der Probleme, mit denen sich Sarstedts Polizei im vorigen Jahrhundert auseinanderzusetzen hatte. Überliefert sind sie dank eine Chronik, die laut Kommissariatsleiter Frickmann von Margarete Schaper aufgezeichnet worden ist.

Am 1. Mai meldete sich der Johann Dreyer aus Sarstedt bei Magistrat und Polizei zurück. Er war 1852 wegen einer schweren Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu acht Jahren Zuchthaus ersten Grades verurteilt worden und hatte die Strafe in der Strafanstalt in Stade verübt.

Das Verfassungsstatut der Stadt Sarstedt vom Jahre 1852 wurde am 3. September 1860 einer Revision unterzogen und in der neuen Fassung von der Aufsichtsbehörde genehmigt.

Ende 1860 wurde der Stadtrechnungsführer Dettmar von der Polizei verhaftet. Ihm konnten Veruntreuungen nachgewiesen werden. Sein Amt mußte er unverzüglich zur Verfügung stellen.

Schwierigkeiten bereiteten der Polizei zu der Zeit die Unterbringung von Geisteskranken. Diese Schwierigkeiten waren im ganzen Königreich Hannover vorzufinden.

Deshalb wurde landesweit eine Sammlung veranstaltet, die dem Ausbau der Idiotenanstalt in Langenhagen bei Hannover dienen sollte. Am 25. November 1861 sammelte man auch in Sarstedt. Es wurden 12 Taler, 11 gGr. und fünf Pfennig gespendet. Im Juni 1862 dem Magistrat die polizeilichen Feststellungen zur Kenntnis, daß fünf hiesigen Bäckermeister die Weiß- und Schwarzbrote zu leicht und daß das Gewicht in keinem Verhältnis zu den Preisen stehe. Der Magistrat richtete daraufhin am 26. Juni 1862 ein Zirkular an die Bäcker und forderte unter Anordnung von Zwangsmaßnahmen die sofortige Anpassung an Preise und Gewichte.

Landstreicherei wurde zu der Zeit mit Gefängnis und Werkhausstrafen geahndet. Solche Strafen erhielt am 12. Juni 1866 ein. 29jähriger Nagelschmiedsgeselle aus Gehrden, der von der Polizei in Sarstedt aufgegriffen wurde.

Am 17. Juni 1866 rückten infolge des Krieges von 1866 die ersten preußischen Truppen in Hannover ein.

In Sarstedt wurde gerade Freischießen gefeiert, als am 19. Juni 1866 die erste Schwadron preußischer Truppen mit 156 Reitern und 160 Pferden in unserer Stadt erschien. Einen Tag vorher, am 18. Juni 1866, hatte das königliche hannoversche Amt in Hildesheim die letzte Verfügung an den hiesigen Magistrat gerichtet. Sie lautete: “Da am 9. Juli 1866 die herrschaftliche Brennholzflöße beginnt, veranlassen wir den löblichen Magistrat, dafür Sorge zu tragen, daß vom 7. Juli Leine im dortigen Stadtbezirk allen Bauhölzern und Dielen und sonstigen Behinderungen freigehalten wird.” Der Befehl dürfte nicht mehr zur Ausführung gekommen sein, denn in zwischen hatten die Preußen die Regierungsgewalt übernommen. Am 7. Oktober 1866 wurde mit dem übrigen Königreich Hannover auch Sarstedt wieder ein Teil des preußischen Staates und zwar auf Grund des unglücklichen Ausgangs des hannoversch-preußischen Krieges.

Durch allerhöchste Kabinettorder wurde am 13. Oktober 1866 für das Gebiet des ehemaligen Königsreichs Hannover die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Die wehrdienstpf1ichtigen ehemaligen Hannoveraner mußten preußische Soldaten werden. Aus den Unterlagen ist nicht zu ersehen, was mit den beiden Landgendarmen geschah. Sie finden auch keine Erwähnung mehr.

Im Februar 1867 brachen bei den Fastnachtsbelustigungen in Sarstedt große Unruhen aus. Zur Wiederherstellung der Ordnung mußte Militär in Stärke von 150 aus Hildesheim eingesetzt werden. Das Restkommando von 50 Mann konnte erst nach sechs Wochen in die Garnison zurückkehren.

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