1853 bestimmte Ruthes Königsamt über Sarstedt

[13.04.1996] Die Auszüge aus der Polizei-Chronik: Heute der Abschnitt 1852 bis 1854

S a r s t e d t. (r)Der “Sarstedter Anzeiger” beginnt heute mit dem Abdruck von schriftlichen Auszügen aus der Chronik der Polizei. Der erste Teil befaßt sich mit dem Abschnitt von 1852 bis 1854. Die Aufzeichnungen stammen nach Ansicht des Sarstedter Polizeichefs Günter Frickmann aus der Feder der früheren “Kreisanzeiger”-Redakteurin Margarete von Schaper. Sie trug die Daten vermutlich in den 60er Jahren zusammen.

Das neue Verfassungsstatut der Stadt Sarstedt vom 13. Oktober 1853 befaßte sich im Bereich seiner 75 Paragraphen auch mit der Zuständigkeit für die Ausübung der Polizeigewalt. Die Berufung eines Polizei-Serganten war aber zunächst nicht vorgesehen.

Anordnungen und Verfügungen an die Stadt Sarstedt ergingen seinerzeit vom königlichen Amt in Ruthe. So bemängelte man am 21. Februar 1853, daß von der Stadt Sarstedt die Aufrechterhaltung des Verkehrs zwischen den Orten nicht gewährleistet wurde. “Zur schleunigen Herstellung des Verkehrs auf der Chaussee zwischen den Orten bei dem stattfindenden Schneefalle ist eine Nothilfe erforderlich. Der Magistrat der Stadt Sarstedt möge deshalb unverzüglich und sofort 40 Handdienste befehligen, welche unter Anleitung des Chausseewärters Wolters vom Hülfersberge die notwendigen helferischen Maßnahmen zu ergreifen hätten.”

Am 1. Mai 1853 wurde dann die Eisenbahnstrecke Hannover - Sarstedt - Elze - Alfeld eröffnet. Laut Überlieferung wurden seinerzeit vom königlichen Amt in Ruthe nochmals Überlegungen angestellt, eine schärfere polizeiliche Überwachung des Amtsbereiches einzuführen.

Jeder Bürger, der zu der Zeit einen Ortswechsel vornehmen wollte, mußte eine behördliche Genehmigung beantragen. 14. Februar 1854 wurde somit dem Weber Ernst Zierenberg aus Höxter vom hiesigen Magistrat das Bürgerrecht erteilt, nachdem er zuvor einen Entlassungsschein als preußischer Untertan beigebracht hatte und seine “Auswanderung” nach dem Königreich Hannover von der preußischen Regierung genehmigt worden war.

Im Jahre 1854 herrschte daselbst große Not, so daß die Ortsarmen regelmäßig mit “speislichen” Gaben bedacht werden mußten.

Die umherziehenden, lästigen Händler bedrängten das honorige Publikum zu der Zeit sehr. So lehnte am 30. September 1854 die königlich hannoversche Landdrostei den Antrag des Israeliten Wolf Moses und Ehefrau auf Konzessionierung des Hausiererhandels mit Band, Zwirn und ähnlichen Gegenständen ab.

Am 25. Oktober 1854 ließ Bürgermeister Wiesenhaven folgende Bekanntmachung veröffentlichen: “Vom 1 . November 1854 wird infolge desfallsiger höherer Verfügung der königlichen Landdrostei Hildesheim das bisher am Ostertore und Holztore erhobene Wege- und Brückengeld nicht mehr kassiert.” Der Magistrat erhielt von der königlichen Landdrostei Hildesheim einen Ausgleichsbetrag von jährlich 40 Taler.

Gerade durch die wegen des Bahnbaues mögliche großzügigere Beweglichkeit unliebsamer Zeitgenossen und Querulanten, müßte eine strengere und gezielte Überwachung solchiger Subjekte möglich sein. Zunächst wurde aber weiterhin die polizeilichen Belange vom Ratsdiener der Stadt Sarstedt vertreten. Nach dem Etat vom Jahre 1853 hatte die Stadt an wesentlichen Einnahmen: 357 Taler Schäfereirente; 190 Taler Ratskellerpacht, 310 Taler Wochengeld und Osterzins sowie 80 Taler Bürgergewinnungsgelder. Dem standen folgende Ausgaben gegenüber: 95 Taler Rechnungsführergehalt, 50 Taler für den Ratsdiener; 600 Taler für Instandhaltung der Gemeindewege, Straßen und Brücken und 40 Taler Prozeßkosten. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 2701 Taler, die Ausgaben auf 2452 Taler. Der Bürgermeister hieß Wiesenhaven.

Am 24. Dezember 1853 wurde bei Ruthe die neue Leinebrücke dem Verkehr übergeben. Das königliche Amt Ruthe bat in einem Aufruf die den bis dahin den Verkehr regelnde Fähre zum Verkauf an.

Die derzeitig vorhandene Neigung der Bürger zu dilettantischen Theateraufführungen war auch hierzulande verspürbar. So erhielt der Gesellenverein in Sarstedt am 14. Dezember 1854 die Genehmigung, am Neujahrstage eine dramatische Vorstellung geben zu dürfen. Das aufzuführende Stück mußte vorher infolge besonderer Ermächtigung dem Magistrat zur Zensur vorgelegt werden. Zur Unterbindung jeglicher bürgerlicher Aufmüpfigkeit erfolgte eine scharfe polizeiliche Überwachung.

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